Schere, Stein, Papier

Moderator: Good Habit

Schere, Stein, Papier

Postby Good Habit » Sat Mar 05, 2011 8:33 pm

Seit einiger Zeit erscheint mir die politische Ökonomie wie ein Spiel von Schere, Stein, Papier.

[D.h. ein (Teufels)-kreis verschiedener Systeme, die sich gegenseitig übertrumpfen.]

Vor dem Kapitalismus bestand in vielen Ländern ein feudalistisches System. Die dynamische Entwicklung und das rasche Wachstum in der Folge der industriellen Revolution erlaubten dem Kapitalismus, frühere Organisationsformen zu verdrängen, aber der wilde ursprüngliche Kapitalismus führte auch zu extremer Ungleichheit und war anfällig für heftige zyklische Schocks.

Daher ist der Kapitalismus durch den Sozialismus und Kommunismus gefährdet, die Wohlstand und Gleichheit versprachen. Während er anfänglich eine starke Mobilisierung der Ressourcen erlaubte, tendiert der Kommunismus zu Erstarrung, und verliert dann nach einiger Zeit jede fortschrittliche Dynamik.

Deshalb ist der Kommunismus der „sozialen Marktwirtschaft“ unterlegen, d.h. im Wesentlichen der keynesianischen Makroökonomie. Denn eine solche Politik ist dynamischer als der Kommunismus, und nicht so stark Schocks und Ungleichheit ausgesetzt wie der „ursprüngliche“ oder „österreichische" Kapitalismus.

Unglücklicherweise ist der Keynesianismus verletzlich, wenn er durch den "Neo-klassischen"Kapitalismus herausgefordert wird, da Firmen, die keine Rücksicht auf Umwelt und Arbeiter nehmen müssen, mehr Gewinn machen, als solche, die nach keynesianischen Regeln spielen.

Daraus ergibt sich die Reihenfolge.. Der klassische Kapitalismus wird geschlagen durch den Sozialismus, der dann der keynesianischen Wirtschaftsweise unterliegt, welche wiederum gegen den Neo-klassischen Kapitalismus den Kürzeren zieht.

Oder – in anderen Worten – der einzige Grund, welche die Kapitalisten dazu bringt, ein relativ faires und prosperierendes Model wie die keynesianische Wirtschaftsweise zu akzeptieren, ist die Angst vor der gewaltsamen kommunistischen Revolution. Sobald diese Angst nachlässt, sehen sie keinen Grund mehr, wieso sie sich um Arbeitslosigkeit und allgemeine Wohlfahrt kümmern sollten.

[Eine historische Zwischenvariante stellt der Faschismus dar. Er hält die alten Geschäftseliten an der Macht (anders als der Kommunismus) und akzeptiert in der Regel ein hohes Staatsdefizit (für Kriege, Aufrüstung und ähnliches)] Da er jedoch weniger modernisiert als der Kommunismus, und mindestens so starr ist wenn an der Macht, sollte er noch kurzlebiger sein, selbst wenn er keine grösseren Kriege verliert.

Unglücklicherweise kann ich nicht sehen, wie MMT (Moderne Geld-Theorie) oder eine Form des Neo-Keynesianismus den Neoliberalismus schlagen könnten.

Der natürliche Nachfolger des neo-klassischen Kapitalismus müsste eine Form des Neo-Kommunismus sein. Aber so diskreditiert, wie der Kommunismus zur Zeit ist, scheint dies unwahrscheinlich.

Daher meine pessimistische Aussicht: Das wahrscheinlichste werden etliche Faschismus-ähnliche Systeme sein, die wenn sie ohne Alternative bleiben, dann Reihenweise durch ‚gescheiterte Staaten und den Zusammenbruch der Zivilisation abgelöst werden – zurück ins Mittelalter.
Good Habit
 
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Re: Schere, Stein, Papier

Postby Horror-Politics » Tue Apr 12, 2011 8:35 pm

[quote="Good Habit"]
Der natürliche Nachfolger des neo-klassischen Kapitalismus müsste eine Form des Neo-Kommunismus sein. Aber so diskreditiert, wie der Kommunismus zur Zeit ist, scheint dies unwahrscheinlich.
[/quote]

Das Hauptproblem dabei ist, dass alle Politik in erster Linie GEGEN etwas mobilisiert, und nicht für etwas. Und daher sind ehrliche Argumente zwecklos. Furcht und Schrecken sind die Dinge, die Erfolg bringen.
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